So bekommst du das beste Bild von deiner Retrokonsole!

Retro-Konsolen sind toll – nur sind wir heute entsetzt, wie schlecht das Bild ist. War das schon immer so? Warum ist uns das damals nicht aufgefallen?

Erstens: Weil wir es nicht besser kannten. Und Zweitens unsere Fernseher viel kleiner und schlechter waren! Wie bekommen wir nun ein TV-Bild aus unseren Konsolen, das zu unseren heutigen Ansprüchen passt?

Starten wir gleich in die Übersichtstabelle. Für die technisch interessierten findet sich am Ende ein kleiner Exkurs in die Videotechnik.

Was geht mit meiner Konsole?

je weiter rechts, desto besser das Bild. Nach unten hinten werden die Konsolen neuer.

Diese Tabelle ist „work in progress“ – Hinweise und Korrekturen nehme ich gern entgegen.

Hersteller Konsole HF AV S-Video YPbPr RGB
2nd Generation
Atari VCS 2600 Standard mod
Mattel Intellivision Standard mod [1]
Atari 5200
Coleco ColecoVision
3rd Generation
Atari 7800 AV-mod
Nintendo NES (001) vorhanden standard
Sega Mastersystem vorhanden standard
AV-Kabel
RGB-Scart-Kabel
Sega Mastersystem II standard AV-Mod RGB-Mod
4th Generation
Nintendo SNES vorhanden MultiAV MultiAV MultiAV-RGB-Kabel
Sega Megadrive RGB-Scart-Kabel
Sega Megadrive II standard
NEC PC-Engine
NEC PC-Engine Supergrafx
SNK NeoGeo
Philips CD-i
5th Generation
Panasonic 3DO
Commodore Amiga CD32 vorhanden standard mod
Atari Jaguar RGB-Kabel nicht verfügbar
NEC PC-Engine Duo-R
Sega Saturn
Sony Playstation Kabel
Nintendo N64 standard MultiAV-Kabel
6th Generation
Sega Dreamcast Kabel (Prototyp) Kabel (VGA)
Sony Playstation 2 RGB-Kabel
Nintendo GameCube Standard MultiAV-RGB-Kabel
Microsoft XBox
7th Generation
Sony Playstation 3 Kabel
Nintendo Wii YPbPr-Kabel
Microsoft XBox 360

[1] – komplexer Mod, Zubehör (Board, 2 ICs, diverse Widerstände) Boards derzeit ausverkauft, http://retrorgb.com/intellivision.html http://www.nightfallcrew.com/02/03/2013/mattel-intellivision-pal-rgb-video-mod/

Legende

Standard – das geht mit der unmodifizierten Konsole und dem Standard-Kabel

Kabel – das mit einem speziellen Kabel (Zubehör). Die Links gehen meist zu Amazon und sind Affiliate-Links. Originalkabel sind meist nicht mehr neu zu bekommen. neue Kabel von Drittanbietern sind oft qualitativ nicht besonders hochwertig.

mod – die Konsole lässt sich modifizieren („modden“) und kann dann dieses Format. Die Links gehen zu Beschreibungen der Mods. Es gibt oftmals mehr als einen Mod.

vorhanden – Anschluss ist vorhanden, aber nicht erstrebenswert.

Strich – mir ist kein Weg bekannt, der Konsole dieses Signal zu entlocken

leer – Diese Tabelle ist „Work in Progress“ – ich konnte dazu noch keine Abschließende Info finden.

grün – go for it: das ist mMn. die einfachste und beste Methode, um an ein gutes Bild zu kommen.

Exkurs in die Videotechnik

Starten wir mit einem kurzen Exkurs in die verschiedenen Anschlussarten in absteigender Bildqualität

Ein (Farb-)Fernsehbild besteht aus den Helligkeits-Informationen für den Roten, Grünen und Blauen Bildanteil. Die müssen eigentlich nur möglichst unverfälscht vom Grafikchip eurer Konsole zu den Kathodenstrahlen eures TVs. Nun hatten nicht alle Fernseher passende Eingänge und so mussten die Konsolen das Bild konvertieren, splitten und modulieren.

RGB – 3 Leitungen

Das ist ganz einfach das reine und unverfälschte Signal. Der Fernseher nimmt es meist mit drei Cinch-Buchsen (Rot, Grün, Blau) oder per SCART-Stecker (Pins 7, 11, 15) entgegen. Leider geben nur wenige Konsolen von hause aus ein so gutes Bild aus.

Nachteile: RGB wurde vor allem im Computerbereich eingesetzt, Fernseher verarbeiten das oft nicht oder nur an einem bestimmten Eingang, der manchmal extra dafür konfiguriert werden muss. Als Beispiel: Mein Löwe- Röhren-TV kann RGB nur am Eingang AV1 und erkennt dann alle anderen Signalarten an diesem Eingang nicht mehr.

VGA – bekannt aus dem Computerbereich – ist auch nur ein RGB-Signal. Dort allerdings mit Bildwiederholraten von 70Hz und ohne Halbbilder. Grundsätzlich kann man darüber aber auch das Bild einer Konsole übertragen. Nur der Monitor muss dann mit den niedrigen Zeilenfrequenzen umgehen können. MultiSync ist  das passende Stichwort. Auch mancher LCD-Fernseher hat einen VGA-Eingang. Ob er die Konsole versteht, kann man nur durch probieren herausfinden. Viele Quittieren das 15kHz-Signal mit „Out of Range“.

Ergebnis: Das Bild ist Scharf, einzelne Pixel sind klar zu erkennen. Die Farben sind unverfälscht und knackig.

Component (Komponenten-Anschluss, YPbPr, fälschlich auch YUV) – 3 Leitungen

Anschluss erfolgt meist mit 3 Cinch/RCA-Buchsen oder Scart.

Dieses Farbmodell kam zusammen mit DVDs und analogem HD-TV auf, so dass viele späte Röhren-TV-Modelle es unterstützen und von manchen Konsolen aus dieser Zeit das Signal so bereit gestellt wird. (Wii, PS2, Dreamcast sind Kandidaten). Das Format ist eng verwandt mit YCbCr, dass bei fast allen aktuellen Digitalvideoanwendung noch zum Einsatz kommt (DVB-T, DVB-T2, DVD, BlueRay) Component erlaubt auch höher Auflösungen bis 576p50 bzw 480p60.

Hier ist das Signal nicht nach Farben getrennt, sondern es gibt eine Leitung für die Helligkeit, also ein Schwarz-Weißbild, und zwei für die Farbe.

Das Helligkeitsbild Y entsteht durch Addition der RGB.-Farben:

Y = Rot + Grün + Blau.

Die Farbsignale werden als Differenz

Pb = Blau – Rot – Grün
und Pr = Rot – Blau – Grün.

Warum macht man das?

  • Man hat ein abwärtskompatibles Schwarz-Weiß-Signal.
  • Schwarz-Weiß sehen wir viel schärfer als Farben – das wollen wir nicht komprimieren, aber
  • Die Farben sind jetzt separat und lassen sich komprimieren, ohne den Schärfeeindruck zu stören.

Ergebnis: Das Bild ist Scharf, Die Farben sind sehr gut.
Wenn die Farben komprimiert sind, teilen sich zwei oder vier Pixel einen Farbwert (aber mit jeweils eigener Helligkeit) – die Farben sind dann etwas verwaschen.

S-Video Y/C (Luminanz/Chrominanz) – 2 Leitungen

Mini-DIN- oder Hosiden-Buchse, Scart-Stecker (Pins 15 und 20). Hier werden Helligkeit und Farbanteil immer noch separat übertragen, allerdings muss die Farbe auf eine Leitung verzichten – damit das klappt, muss die Farbe irgendwie kodiert werden. Dazu kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz, je nachdem ob ihr eine PAL oder NTSC-Konsole habt. Bei PAL kommt das YUV-System zum Einsatz, bei NTSC das YIQ-System. Es gab auch mal SECAM, das ist dann ein Thema für Sammler Osteuropäischer oder Französischer Heimcomputer.

Ergebnis: Die Bildschärfe ist gut, die Farben werden verwaschener, bei NTSC können auch Farbverschiebungen oder Farbstiche auftreten.

AV-Signal (aka Composite, aka FBAS) – 1 Leitung

Das kennen die meisten als gelben Cinch-Stecker, auch Pin 20 am Scartstecker überträgt dieses Signal. Das Farb-Bildaustastsignal (im Gegensatz zum schwarzweißen BAS) verbindet auf einer Leitung Heligkeits- und Farbinformationen. Dabei belegt die Farbinformation Platz im Signal, der eigentlich für die Helligkeit benötigt wird, das Bild wird unschärfer.

Ergebnis: Das Bild ist unscharf, die Farben verwaschen, bei NTSC gibt es Farbstiche.

HF-Modulator (RF) – 1 Leitung

Viele Frühe Konsolen hatten nur einen solchen Ausgang, den man mit dem Antenneneingang des Fernsehers verbindet. Grundsätzlich ist auch das ein FBAS-Signal, dass aber auf eine Hohe Frequenz (48,25MHz, Kanal 2 oder 55,25MHz, Kanal 3) aufmoduliert ist. Die niedrigen HF-Kanäle haben auch nicht so viel Bandbreite – nur 7MHz. Deswegen wurde in späteren HF-Modulatoren höhere Kanäle (meist Kanal 30) aus dem UHF-Band verwendet, die 8MHz breit sind.

Das wird im Fernsehgerät dann wieder von der Trägerfrequenz getrennt und das Ergebnis ist ein durch die Mangel gedrehtes AV-Signal.

HF-Technik profitiert sehr von einem komplexeren Aufbau mit mehr Bauteilen und guter Abschirmung. Die in alten Konsolen verbauten HF-Modulatoren sind aber billigst aufgebaut, entsprechend schlecht ist das Ergebnis.

Ergebnis: Das Bild ist unscharf, die Farben verwaschen, bei NTSC gibt es Farbstiche. Dazu kommen HF-Störungen wie Rauschen.